Manche Dinge lassen sich nicht denken. Sie müssen erfahren werden.
Der Körper weiss oftmals früher als der Kopf, was los ist. Hände begreifen Dinge, für die wir noch keine Worte haben. Im Spiel dürfen wir ausprobieren, wer wir sein können, wenn wir uns nicht im Wege stehen. Eine Maske verbirgt und macht genau dadurch Ungesehenes sichtbar.
Das ist mein Arbeitsraum.
Ich arbeite mit dem Körper, weil unsere Knochen und unser Fleisch alle Spuren unserer Geschichte in sich tragen und unser Leib der beste Lebenspartner ist, den wir uns vorstellen können.
Er liebt uns, bedingungslos.
Er weicht nicht von unserer Seite. Auch dann nicht, wenn wir ihn vergessen und verraten.
Ich arbeite mit der Stimme, weil unser Klang weit mehr erzählt als alle Worte dieser Welt. Mit Worten können wir verpacken, schönreden, lügen, verzerren.
Unser Klang hingegen hat seine eigene unbestechliche Sprache.
Ich arbeite mit der Materie, weil unsere Hände das Unsichtbare ins Leben rufen können.
Sie besitzen die Gnade, ganze Welten zu erschaffen, wenn wir sie nur tun lassen.
Ich arbeite mit der Bühne, weil sie schonungslos ehrlich ist. Auf der Bühne wird alles sichtbar. Restlos. Das klingt furchterregend und kann es auch sein. Doch zugleich ist sie ein wilder Ort der Freiheit, wo wir uns unbestraft in kühnsten Rollen ausprobieren können.
Ich arbeite mit der Maske, weil es so entspannend ist, mal das eigene Gesicht abzugeben und ganz und gar in ein anderes Wesen zu schlüpfen. Den eigenen Körper an eine fremde Identität verschenken und ihr dienen.
Was geschieht, wenn ein Mensch beginnt, sich selbst nicht mehr nur zu denken, sondern auch zu erfahren?
Wir leben in einer kopforientierten Zeit und Gesellschaft. Menschen suchen Erklärungen für alles. Planen und strukturieren ihr Leben. Räumen ihre Gedanken in kleine, fein säuberlich gekennzeichnete Schubladen und wundern sich dann, wenn ihnen ihre Freude und Lebendigkeit abhanden kommt. Oder wenn sie innerlich ertrinken, sobald das Leben ihnen kurz und knackig einen Strich durch ihre saubere Rechnung macht.
Ich arbeite mit Blickwinkeln, weil ich es wichtig finde, dass wir flexibel bleiben in unserem Geist und es lernen, immer wieder unseren Horizont auszuweiten.
Ich möchte mich nicht zufrieden geben mit dem wenigen, das ich zu wissen glaube. Lernen gehört zu meinem Alltag, sowohl mit meinen Händen als auch mit meinem Denken.
Ich grabe gerne. Auch geistig. Vor allem dort, wo es um unser Menschsein geht.
Ich arbeite mit Gruppen, weil ich an die Gemeinschaft glaube. Und das sage ich als überzeugter Waldschrat und zurückgezogen lebender Mensch.
Doch die Kraft und Liebe, die in einem gut geführten Kollektiv frei werden, sind Balsam für unsere Menschenseele.
Ich arbeite mit Frauen, weil dies wohl mein Weg ist. Geplant hatte ich das so nicht. Doch die Frauen haben mich gezähmt und begleitet. Über Jahre hinweg. Und dank ihrer Präsenz in meinem Leben ist meine Arbeit überhaupt erst entstanden und gewachsen.
Ihnen gilt mein Dank.
Was nur hält, solange niemand daran rührt, ist für mich kein Frieden.