Weibershabbat

Einmal im Monat.
Am ersten Freitag.

Nach dem Tod meiner Mutter im Januar 2023 begann ich, mich tiefer mit Theologie zu beschäftigen.

Ich komme aus einem streng katholischen Elternhaus und habe die Kirche mit 18 Jahren direkt verlassen.

Trotzdem zieht sich meine Auseinandersetzung mit spirituellen Themen wie ein roter Faden durch mein Leben. Allerdings mit einem grossen Widerstand, was Institutionen und Gruppierungen angeht.

2023 schrieb ich die Walz, einen Kurs über Göttinnen aus der griechischen Mythologie und ihre Archetypen. Jeden Kurs, den ich anbiete, durchlaufe ich selbst im Vorfeld. Meine persönliche Walz wurde zu einer theologischen Reise.

Irgendwann machte es keinen Sinn mehr für mich, Spiritualität in fremden Kulturen zu suchen. Ich komme aus dem Christentum.
Das ist meine Basis, auch wenn ich mich an dieser Basis reibe.

Obacht.
Das bedeutet nicht, dass ich irgendeiner Kirche beigetreten bin.
Gewiss nicht.

Mir geht es um die Schriften.
Nicht um die Institution.
Ich nahm mir also die Heilige Schrift vor und begann zu graben.

Ich beschäftige mich heute u.a. mit gnostischen Schriften, beispielsweise dem Thomasevangelium oder dem Evangelium der Maria Magdalena, betrachte die Bibel, suche nach unterschiedlichen Interpretationsansätzen und nähere mich langsam der hebräischen Sprache an.
Und um es klar vorwegzunehmen: ich lerne.
Und stehe am Anfang.
Und weiss nicht viel.

Doch ich weiss genug, um Fragen in den Raum zu werfen.
Fragen zu Themen, die an unser Menschsein rühren.

Das ist für mich der Weibershabbat.

Konkret treffen wir uns am ersten Freitag des Monats um 19 Uhr auf Zoom.
Pünktlich.
Ich schliesse den Raum 5 Minuten später, um nicht gestört zu werden.

Dann eröffne ich die Zeremonie mit einem Ritual, das an den jüdischen Shabbat angelehnt ist.

Warum?
Jesus war Jude. Das Christentum, wie wir es heute kennen, gab es zu seinen Lebzeiten nicht.
Ich möchte an der Wurzel bleiben.

Ich rekonstruiere keinen Shabbat im historischen Sinn.
Ich erschaffe eine Zeremonie aus meiner Auseinandersetzung mit den Wurzeln des Christentums.

In dieser Zeremonie singe ich aramäische Gebete.

Ich bringe den teilnehmenden Frauen diese Gesänge bei.
Keine Sorge, nur mein Mikro ist angeschaltet. Ihr könnt unbeobachtet mitsingen. Oder auch nicht.

Ihr könnt für die Zeremonie zwei Kerzen, etwas Brot und ein Glas Rotwein oder Traubensaft bereithalten. So könnt ihr bei euch zuhause dieselben Gesten ausführen, die ich machen werde.
Doch auch dies ist euch natürlich freigestellt.
Ich erkläre alles, was ich mache.

Dann kommt eine Predigt.

Ich nenne dies bewusst so. Ich setze mich vorab mit einem Thema auseinander, trete hin und spreche darüber. Ich werde mich dabei nicht auf die Heiligen Schriften beschränken, sondern auch philosophische Gedanken mit hineinnehmen.
Je nachdem.
Das ist mein freier Denkraum.

Dann kommt eine Zeit der Stille.
Und ein Abschlussgebet.

Der Weibershabbat ist kein Arbeitsraum.
Ich werde hier nicht in Einzelarbeit oder Gruppendiskussionen gehen.

Es ist ein Raum der Gegenwärtigkeit.

Ich zeichne den Weibershabbat auf.
Für angemeldete Frauen ist die Aufzeichnung 24 Stunden abrufbar.

Ich möchte die Idee des Shabbats nicht verwässern.
Der jüdische Shabbat beginnt am Freitagabend mit dem Sonnenuntergang und endet am Samstagabend mit Einbruch der Nacht.
In unserer Welt, die alles jederzeit zugänglich und abrufbar macht, ist es mir wichtig, nicht auf dieser Welle zu reiten.

Der Weibershabbat ist Teil des Weibergemachs und zugleich offen für Frauen, die nicht am Weibergemach teilnehmen.

Du musst nichts mitbringen.
Du musst nichts wissen.
Du musst auch nicht wiederkommen.

Am ersten Freitag des Monats öffnet sich der Raum.
Für eine Stunde.

Du kannst dich spätestens am jeweiligen Freitag bis 18 Uhr anmelden. Den Zoomlink erhältst du nach deiner Zahlung per mail.


Für Frauen des Weibergemachs ist der Weibershabbat inklusive.