Je älter ich werde, desto besser kenne ich mich. Und desto weniger weiss ich, wer ich bin.
Vielleicht baue ich Brücken.
Vom Körper zum Geist. Vom Wort zum Werk. Vom Gedanken zur Materie. Vom Leben zur Bühne. Von der inneren Stimme zum gesprochenen Ausdruck.
Und zurück.
Vielleicht öffne ich Türen.
Vom unbewussten Körper zum bewohnten. Von der zurückgehaltenen Stimme zur gebrüllten. Von der Idee zur Wirklichkeit. Von der Kontrolle zur Ungezähmtheit. Von der sozialen Rolle zum entblössten Menschen.
Im künstlerischen Ausdruck betrete ich unbekannte Räume. Oft weiss ich dabei nicht, wohin der Weg führt und was daraus entsteht.
Und das ist gut so.
Ich möchte mir den Raum für das Staunen über mich selbst offenhalten.
Mich überraschen lassen von dem, was auftaucht.
Auch wenn es nicht meinen Erwartungen entspricht.
Oder gerade deswegen.
Das Werk meiner Hände ist oft klüger als mein Denken. Meine Hände begreifen, ehe ich weiss. Ich glaube an die Umsetzung.
Ich nenne sie Einfleischung.
Der Gedanke wird Wort. Das Wort wird Handlung. Die Idee bekommt eine Form. Etwas Inneres wird sichtbar, hörbar, berührbar.
Leben ist keine theoretische Angelegenheit. Leben ist Schweiss, Spucke, Knochen, Fleisch, Blut. Leben ist konkret.
Greifbar.
Erst wenn eine Idee Fleisch annimmt, kann ich ihr begegnen: sie anfassen, betrachten, befragen. Vielleicht ist sie dann ganz anders geworden, als ich sie mir vorgestellt habe.
Dann geht die Arbeit weiter: Modellieren. Formen. Verwerfen. Neu beginnen. Wandeln.
Lebendigkeit entsteht, wenn wir unsere Idee ins Leben holen.
Nur dann können wir gestalten, beeinflussen, transformieren. Das ist kein gerader zielorientierter Weg, sondern eher eine offene Bewegung: eine Ahnung nimmt Gestalt an, entzieht sich wieder, zerfällt, und wird neu geformt.
Wie in der Natur.
Jede Form trägt bereits die Möglichkeit ihrer Veränderung in sich. Unsere Hände folgen keinem fertigen Plan, sondern dem, was im Tun sichtbar wird.
So bleibt das Werk lebendig. Es darf sich verändern, widersprechen, überraschen. Es darf werden, ohne vorab zu wissen, was es werden will.
Es darf leben.
Vielleicht ist die entscheidende Frage am Ende gar nicht: Wer bin ich?
Sondern: Ist an dem, was ich bin und tue, etwas, woran das Wahre haften kann?
Wahrhaftigkeit. Das, woran das Wahre haftet.
Biografische Spuren
Name: miRjana petRicevic.
Jahrgang 1971, geboren in Heilbronn/Deutschland.
Klassische Gesangsausbildung (1991-93) in Stuttgart bei James Thomas (USA, Theater an der Wien).
Scuola Teatro Dimitri (1993-96) im Tessin/Schweiz, Ausbildung in Bewegungstheater.
Ab 1996 in Frankreich lebend, Mutter zweier Söhne (1997 und 1999).
Ausbildung in Psychophonie und Chant prénatal in Paris (1997-98).
10 Jahre Begleitung schwangerer Frauen mittels Atem- und Stimmarbeit im Hinblick auf eine bewusst gelebte Geburt mit realer Schmerzlinderung.
15 Jahre Gestaltung kultureller und pädagogischer Projekte in und um Paris, wie z.B. Ausbildung junger Schauspieler und Bühnenschaffender, oder Erarbeitung verschiedener Bühnenwerke in berufsübergreifenden Kooperationen.
Auftritte mit eigenen Stücken (Lieder, Prosa, Theater).
3 Jahre Alltagsbegleitung von sprachlosen Menschen in schwerer autistischer Verkapselung und Vertiefung meiner Recherche über Körper und Klang in emotionalen Krisen.
Fernstudium zum psychologischen Berater mit Abschlussarbeit (2015) zum Thema « Stimmarbeit als optimales Werkzeug in der psychologischen Begleitung von Erwachsenen ».
Hinwendung zur Bildenden Kunst (2016). Mixed Media auf Papier und Leinwand.
Ausbildung zum Kunstschreiner mit staatlicher Gesellenprüfung (2017) in Frankreich.
Ausbau eines Lieferwagens zum Campervan (2017) und bis Ende 2019 Leben als Nomade im europäischen Raum.
Präsenzkurse über Stimme und Bühne (seit 2017): Basiskurs und diverse Folgekurse
Online-Kurse für Frauen, künstlerische Gestaltung und Innenarbeit (seit 2020): Wilde Weiber – Die Wilden Weisen – Walz!
Umzug nach Kroatien (2020), auf den Spuren meiner Wurzeln, erste Schritte in Haus- und Gartenbau.
Hinwendung zur feministischen Theologie (2023).
Rückkehr nach Frankreich (2025) mit unseren drei Hunden und sechs Katzen aus Kroatien.
Renovierung und Umbau eines alten französischen Bauernhauses mit grossem Garten.